Arawak (Text)

Bei den Steinritzungen der „Roches gravées“ auf Guadeloupe habe ich Köpfe mit hohen Hüten sowie Großohrige entdeckt, die mich an Motive der TREMALO-Grotesken sowie der daraus resultierenden KOPFLASTIGEN erinnerten.

Um den Ausgangspunkt für meine Bildserie zu verdeutlichen, habe ich die großformatigen Gemälde (200 x 190 cm), die das Thema auf sehr unterschiedliche Art umsetzen, nach den Arawak-Indianern benannt, auf die man diese Felsritzungen zurückführt.

Während in dem Bild ARAWAK V die Motive der Gravuren noch in  realistischer Umgebung, jedoch in frei gewählter Zusammenstellung erscheinen, verliert sich dieser räumliche Zusammenhalt in ARAWAK IV in einem abstrakten Felsenmeer.

In ARAWAK I hingegen wird auf verschiedenfarbigen Farbgründen mit linear gesetzten Farbspuren bzw. stehengelassenen oder herausgewaschenen Farbbahnen der Prozess der Ritzungen ins Malerische übertragen.

In ARAWAK VI und VII ist die Blickrichtung umgedreht, d.h. der Blick führt imaginär aus dem Inneren des Steins nach außen, wodurch als Konsequenz Motivinseln frei im Raum schweben. Durch Perspektivwechsel entsteht hier Abstraktion.

Dorf von oben (Werke)

 Architektur und Landschaft von oben

 Abstrakt von oben

Dorf von oben (Text)

Architektur und Landschaft von oben

„Schnell wird einem bewusst, dass die Bilder von Gereon Heil kein Abbild der Wirklichkeit sind, denn ungewöhnliche Aufsichten und Verkürzungen prägen die Sichtweise. Die perspektivischen Verkürzungen erweisen sich als freie Entscheidung des Künstlers, die keiner richtig konstruierten Darstellung unterliegen. Auch die Proportionen entspringen der Imagination und sind ein Spiel mit den Formen. Der Gegenstand ordnet sich ganz dem Willen des Künstlers unter.

Beinah kubisch zerlegt sind die dominanten Formen Kreis, Quadrat und variiertes Rechteck der menschenleeren Ansichten einer architektonisch, ländlichen Umgebung. Die Farbpalette und die Aufsicht innerhalb der Bildkompositionen sind den durch Menschen geprägten Bildern gleichgestellt, doch löst sich in diesen Landschaften immer häufiger die Gegenstandsform zugunsten einer abstrakten, fast ungegenständlichen, flächigen Malerei auf.“

Ingrid Trantenroth-Scholz,
Pressetext zur Ausstellung im Kunstverein Region Heinsberg, 2017

 

Abstrakt von oben

„Entschieden geschieht nun eine Einebnung der Gegenstände, sofern überhaupt noch von solchen die Rede wäre. Eher sehen wir zwei über eine türkisfarbene Fläche miteinander verbundene, zur Ovalisierung tendierende Kreisformen. Wäre man nicht vom Voraufgegangenen und den Vorzeichnungen in seiner Erwartung nahezu determiniert, käme der Gedanke an sich emporrichtende Volumina, an aufstrebende Rohre, gar nicht erst auf, sondern es spränge einen, so im Fall des gelben Gebildes, dank der frontalen Aufsicht sogleich etwas daliegend Flaches an, allenfalls eine von oben betrachtete breitkrempige Hutform, etwa die eines Sombreros …

Der Künstler selbst bezeichnet den Sprung im Programm und spricht von nun an nicht mehr von „DORF“, sondern von „D“, also einer nicht mehr im Oberbegriff zu subsumierenden Gegenstandswelt, allenfalls einem einzig zu beziffernden Gegenstandsrudiment in dediziert malerischer Form.“

Wolfgang Kaußen,
aus: FARB-SCHATTEN-GESTALTEN,
Gereon Heil 2016, Seite 16-18

 

Indem die abstrakt gesetzten Farbflächen durch Hinzufügen der dunklen Formen scheinbar einen Schatten werfen, werden sie wieder zu etwas plastisch „Begreifbarem“. Assoziationen zu organischen oder architektonischen, von oben betrachteten Gebilden werden geweckt. Wie schon bei den Bildern unter „Architektur und Landschaft von oben“ beschreibt auch hier der Schlagschatten die eigentliche, in der Verkürzung nicht immer zu erkennende Form des (angeblichen) räumlichen Gebildes, jedoch in verzerrter Form, wenn die „Bodenfläche“ nicht eben, sondern wellig ist.

Hatz (Text)

„Den Windhunden, denen Gereon Heil beim Hunderennen in Irland auf der Spur war, ist der Zuschauer egal. Sie sind fixiert auf das Häschen, das auf der Schiene vor ihnen gezogen wird. Die ungeheure Spannung der Tierkörper, die Erregung des Augenblicks hat der Künstler packend in einer Bilderserie eingefangen. Vom Moment vor dem Start in den Boxen über den ersten Sprung bis zum Nachhechten verfolgt der Beobachter die Tiere, wird selber gefangen von der Faszination des Geschehens. Sogar der Bildhintergrund – teils einfarbig blau, teils aggressiv gelb-rot – spiegelt die Bewegung wider.

Während bei dem Bild des ersten Sprungs das linke Bildviertel ruhig wirkt mit seinen senkrechten Strichführungen, folgt die Farbführung auf der rechten Seite der Bewegung der Tiere. Die Körper sind gestreckt, die Zähne gebleckt, die Lefzen aggressiv zurückgezogen, die Augen bedrohlich.

„Hatz“ nennt Gereon Heil die Serie. Wer gehetzt wird, der Hase oder die Windhunde – das bleibt am Ende offen. Denn auch wenn der Hase das offensichtliche Opfer ist, so sind doch auch die Hunde gefangen auf der Bahn, die sie entlangjagen müssen, zum Vergnügen der Zuschauer. Und der steht auch vor dem Bild …“

aus: Siegener Zeitung vom 28.07.1998,
Text von Dr. Gunhild Müller-Zimmermann

Kreuz weg (Text)

Suchen wir an anderen Stellen und Stätten nach dem Menschlichen in Heils Werk, so finden wir es als Spuren des Leidens etwa im KREUZWEG für die Kirchen St. Peter-und-Paul zu Siegen und St. Gangolf zu Heinsberg. Doch folgte Heil hier einem Bildprogramm ohne Darstellung kompletter menschlicher Körper. Vielmehr wird der Kreuzweg als Fragmentierung in symbolischen Dingen, Körperteilen (vor allem in den expressiven Arm- und Handgebärden Christi) und allenfalls Teilkörperdarstellungen, und dies im Zeichen einer jeweils ausgesparten Kreuzform, gestaltet.

Wolfgang Kaußen,
aus: FARB-SCHATTEN-GESTALTEN,
Gereon Heil 2016, Seite 6