Gereon Heil –
„Behütete Grotesken“

„Behütete Grotesken“ ist der außergewöhnliche Titel der Ausstellung, in der das Kreismuseum Heinsberg zwei ebenso außergewöhnliche Werkzyklen des Künstlers Gereon Heil zeigt.

Inspiriert durch den archaischen Zauber eines mittelalterlichen geschnitzten Frieses aus bemalten menschlichen und tierischen Grotesken in der Kapelle von Trémalo bei Pont-Aven in Frankreich, setzt Heil sich in seiner Malerei und seinen Skulpturen mit den alten beschwörenden Motiven auseinander.

In kraftvoller Formensprache und expressiver, kontrastreicher Farbgebung löst Heil die archaischen Bildzeichen in seinen Gemälden aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und verbindet sie in seiner Acrylmalerei zu neuen Bildräumen, die bevölkert werden von Maulreißern, Gesäßweisern, Zungenstreckern, Großohrigen und Fabeltieren.

Eine weitere Umsetzung erfahren die Motive mit ihrer ursprünglichen Angst und Unheil bannenden Funktion durch die Rückführung ins Plastische. Seine Skulpturen aus gekneteten und geformten Materialien oder auch in Bronze gegossen erhalten ihren eigenständigen grotesken Ausdruckswert.

In der Serie „Kopflastig“ setzt Heil seine malerische und skulpturale Arbeit in Fotomalerei fort. Auf schmale Bildtafeln gedruckte Fotos seiner grotesken Köpfe verfremdet er malerisch durch bizarr übersteigerten und beherrschenden „Kopfschmuck“, der die Individuen auf drastische, aber ebenso humorvolle Weise charakterisiert und dem Betrachter Möglichkeiten der Identifikation erlaubt.

Mittels dieser doppelten Übersteigerung bricht der Künstler mit allen üblichen Ordnungsprinzipien und gewohnten Vorstellungen. So eröffnet er dem Betrachter eine gegenwärtige Weltsicht, die gleichsam ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, des Einzelnen, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Mensch-Seins darstellt. Störungen der menschlichen Kommunikation, Gewalt und Ignoranz sind dabei die Themen, mit denen sich der Künstler intensiv auseinandersetzt. In ihrer gestalterischen Klarheit sind seine Werke enthüllend, jedoch nicht anklagend. Die „Grotesken“ von Gereon Heil sind prägnant und eindeutig und treten so aus der Oberflächlichkeit einer immer schnelleren Bilderwelt heraus ...

Dr. Rita Müllejans-Dickmann, in artefACT, Febr.-April 2004
(Museumsleiterin, BEGAS HAUS Museum für Kunst und Regionalgeschichte Heinsberg)